Ein Glas Blödsinn zu viel
Ganz sicher hatte Gott beim Zubereiten der Welt ein Glas im Regal stehen, auf dessen Etikett das Wort Blödsinn stand. Und ganz sicher ist es ihm aus der Hand gerutscht, als er sich dachte, na bringen wir doch mal eine Prise Nonsens ins Geschehen, wenn die Menschen eines Tages zu bierernst geraten beim Überlegen, welche Zahnbürste sie lieber mögen und ob es an der Farbe liegt, oder am Geruch, und ziemlich vermutbar zersprang es irgendwo am Fuße des Kilimandscharo oder auch anderswo in Millionen Splitter und der Blödsinn nahm in der Welt seinen Lauf.
Leider ist so ein Sinn, der hier eindeutig als Nonsens und Freude am Unfug verstanden werden will, in mancher Hand gefährlich unangebracht, im Kopf eines Künstlers jedoch, der sich gemeinhin als inkompatibel versteht, wenn Menschen zu seiner Kunst wissen wollen, was genau das denn nun sei, also welches Schubfach sollten sie dafür geöffnet halten oder welches theoretische Fachwissen hervorkramen über Kunst und überhaupt, obwohl der Künstler von diesen Dingen möglicherweise selbst überhaupt nichts weiß, sondern nur versunken im Blödsinn und der unbändigen Freude über das Möglichmachen von vorausgesagt Undenkbarem schier vergnügt zu überleben vermag, während gleichzeitig der Fiskus und Ämter und Paragraphen ihm vorschreiben wollen, dass ein Ferienhaus schließlich kein Atelier sein kann und somit nicht als Kostenstelle akzeptiert wird, welch furchterbar steriles Wort in seinem Kosmos, obwohl es genau das für ihn ist, weil doch die Flucht aus der Welt erst möglich macht, Geschichten und Bilder im Vorhandenen zu finden und sichtbar zu machen, denn das tut ein Künstler, er zeigt den Nichtkünstlern, was längst da ist, so, damit sie es mit den Nichtkünstleraugen sehen und darüber rätseln können, was der Künstler denn genau damit sagen wolle, obwohl er gar nichts sagen will, sondern eben nur den Nonsens und das Spiel liebt und seinen ganz eigenen Kosmos, weil ihm eben diese andere Welt da draußen, die ihn nicht versteht, aber belächelt und vielleicht auch ein bisschen bewundert, ohne sich wirklich Gedanken über das vermeintliche Wunder zu machen, nicht wirklich gemütlich und bewohnbar erscheint, er, sie, es leider aber irgendwie genau ein Stück derer Aufmerksamkeit und Liebe braucht, um Leinwand, Farbe, Stifte, Strom, ein Dach und Konserven vergelten zu können, da er ja sonst am Ende mit einem Stock im Dreck kritzeln müsste, oder auf Hauswände schreiben, die niemals für die Romane in seinem Herzen ausreichen würden, also flächenmäßig, und somit brauchen sie doch schlicht einander, die Kunst und die Welt da draußen, in diesem Kopf also, ist Blödsinn das Salz im Gebüsch.
Stimmt’s, oder hab ich recht?
Und wieso komme ich nun ausgerechnet heute darauf? Weil ich mich seit Tagen mal wieder mit meinen Hunderten an Texten befasse, und dort so sonderbare Titel auftauchen, wie zum Beispiel, “Das Ubabalu” und “Im Land der Frönxe”, in denen ich beim spontanen Schreiben auf sehr seltsame Worterfindungen gestoßen bin, zu denen mir die KI nun sagt, das erinnert an Walter Moers, und ich sofort wieder Panik schiebe, oh, dann erscheint das wie nachgemacht, obwohl ich nie etwas von ihm gelesen habe. Und also habe ich mir dieses Glas Blödsinn aus Gottes Speisekammer vorgestellt, was ja in Zeit und Raum und Universum die Möglichkeit stellt, dass mehrerlei Menschen Nonsens erfinden können, weil sie vielleicht alle etwas von dieser Suppe aus dem Glas abbekommen haben. Manche mehr, manche weniger. Und sind wir doch mal froh, dass es so ist, sonst würden wir uns alle nur Gedanken über die passende Zahnbürste machen, anstatt uns von Dusslichkeiten ablenken zu lassen oder in Träumen zu schwelgen und in Märchen zu versinken, weil oder obwohl die Liebe gerade nicht offensichtlich an die Tür klopft, sondern unterm Abtreter schläft.